Altersvorsorge der Bauern: Nur auf die AHV ist Verlass

Doris Bianchi. (Yoshiko Kusano)

Doris Bianchi. (Yoshiko Kusano)

Wer in der Landwirtschaft arbeitet, lebt im Alter von der AHV-Rente. Als selbstständig Erwerbende haben Bauern keine obligatorische berufliche Vorsorge. Nur die allerwenigsten können sich freiwillige Einzahlungen in eine Pensionskasse (PK) oder in eine 3. Säule leisten. Von den rund 100‘000 hauptsächlich als selbständig tätigen Bauern und Bäuerinnen können nur rund 8‘300 Personen in einer Pensionskasse für das Alter ansparen. Die Pensionskasse der Bauern, die Agrisano Prevos, weist aktuell nur 320 Altersrentner und 36 Altersrentnerinnen aus. Eine sehr magere Zahl.

Teure Pensionskasse

Pensionskassenlösungen sind für die Bauern teuer. Über 40-jährige müssen 25% ihres versicherten Verdienstes in die PK der Landwirtschaft einzahlen zuzüglich Verwaltungsgebühren. Kommt dazu, dass die Rentenumwandlung bei Pensionierung nicht vorteilhaft ist. Hinter der Pensionskkassenlösung steckt die gewinnorientierte Versicherungsgesellschaft Swiss Life. Um auf eine monatliche Altersrente von Fr. 1000 zu gelangen, muss eine Bäuerin oder ein Bauer über 220’000 Franken zusammengespart haben.

Bespiel, Landwirt 45 Jahre

Versicherter Verdienst                        Fr. 50‘000
Sparbeiträge                                         Fr. 12‘500
Verwaltungskosten variabel               Fr.        25
Verwaltungskosten fix                         Fr.      120
Total Beitrag pro Monat                   Fr.   1‘054

Wer neben der Tätigkeit auf dem eigenen Hof noch extern jobbt, wird in der Regel auch keine anständige PK-Rente erhalten. Erstens muss er oder sie über 20‘000 Franken im Jahr verdienen, um in die Pensionskasse aufgenommen zu werden. Zweitens ergibt sich aus dem häufig tiefen Zweitverdienst eine spätere Altersrente von höchstens ein paar Hundert Franken.

Die AHV ist für die Bauern vorteilhaft

  • Als Selbständige bezahlen Bauern und Bäuerinnen einen reduzierten Beitragssatz: Dieser beläuft sich auf 7,8% anstatt 8,4% im Anstellungsverhältnis.
  • Der Beitragssatz an die AHV ist zudem einkommensabhängig: Bei niedrigem Einkommen kommt ein tieferer Beitragssatz zur Anwendung.
  • Bei der AHV-Rentenrechnung werden tiefe Einkommen bevorzugt. Bei einem Einkommen unter 42‘000 Franken pro Jahr steigt die AHV-Rente stärker an. Davon profitieren vor allem die Bauern. Denn in der Landwirtschaft ist das Erwerbseinkommen tiefer als in anderen Branchen.
  • Wer Familie hat, profitiert in der AHV. Kinder geben Anspruch auf Erziehungsgutschriften, die dem Erwerbseinkommen hinzugerechnet werden. Dadurch erzielen Mütter und Väter mit einem tiefen Einkommen eine bessere AHV-Rente.
  • Bäuerinnen fahren in der AHV besonders gut. Das Einkommen ihres Ehemannes wird bei der Rentenberechnung mitberücksichtigt. Dadurch steigen die Altersrenten von Frauen, die nicht erwerbstätig waren.
  • Die Landwirtschaftsbranche profitiert von der solidarischen Finanzierung der AHV. Der geniale Finanzierungsmechanismus der AHV mit einer unbeschränkten Beitragspflicht (auch Millioneneinkommen bezahlen den gleichen Lohnabzug) bei gleichzeitiger Begrenzung der Rente führt dazu, dass einkommensstarke Branchen wie die Finanzwelt oder die Pharmaindustrie die Renten der einkommensschwachen Branchen mitfinanzieren.

AHV-Plus: Die Bauern profitieren

Im Alter leben die Bauern von der AHV. Die heutigen AHV Renten sind jedoch knapp bemessen. Ergänzungsleistungen im Alter zu beantragen, ist für viele entwürdigend oder aufgrund des Immobilienbesitzes häufig gar möglich. Die steigenden Krankenkassenprämien belasten auch das Budget der pensionierten Bauersleute übermässig. Für viele wird es sehr knapp im Alter. Dies trotz einem harten Arbeitsleben. Daher sind Bäuerinnen und Bauern auf eine Erhöhung der AHV-Rente, angewiesen. Die Volksinitiative „AHVplus“ verlangt eine solche Erhöhung.

«AHVplus» will die AHV-Altersrenten um 10 Prozent erhöhen. Für bescheidene 0,8 Lohnprozente erhalten alle deutlich mehr Rente. Ein Bauern-Ehepaar erhält so im Schnitt 4000 Franken mehr Rente pro Jahr.

Beispiel: Ehepaar Jahrgang 1964, Einkommen Mann 3‘500, Einkommen Frau 1‘500, 3. Kinder

Voraussichtliche AHV-Rente                    Fr. 3‘220
AHVplus-Zuschlag pro Monat                 Fr .   322
Zusätzliche Kosten pro Monat                Fr.      25

Ein so gutes Preis-Leistungsverhältnis hat nur die AHV. Hier bringt ein Beitragsfranken am meisten Rente, was besonders den Bauern zu Gute kommt. Darum gilt: Wer rechnet, stärkt die AHV und stimmt am 25. September JA zur Volksinitiative AHVplus.